Piratensender Powerplay

Piratensender Powerplay

Piratensender Powerplay, Episode 27: "Ted Cruz war noch nie in Paris"

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SHOWNOTES
00:30: Samira ist da, Friedemann ist da, Ihr seid da. Es kann losgehen.

01:30: Wir sprechen über Ted Cruz auf dem Laufsteg, Joe Biden auf dem Holzweg,

03:04 Eine kleine Schweigepause für den Menschen, der jetzt endlich mal still ist.

7:02 Wie fanden wir denn die Inauguration, die Rede, die Inszenierung? Klares Naja!

20:30: Samira vergleicht die USA mit einem mittelguten Harry Potter Spinoff. Auftritt Ted Cruz und seine "Trollpolitik". Weil er noch nie in Paris war, hat er uns alle gespielt?

25:00: Welche Fake News genau verfangen, findet Friedemann fast egal. Aber welche wir trotz besseren Wissens verbreiten, nicht so ganz. Oder ist Ted C. doch einfach nur sehr, sehr dumm?

34:02 Das Hufeisen der Pandemie begegnete uns diese Woche auf Twitter und es gab Streit deshalb. Wir versuchen zu erklären, warum ein Begriff wie "Lockdown-Fanatiker" Quatsch ist, und man Lockdown-Befürworter nicht mit den Corona-Leugnern vergleichen darf.

41:00 Samira erklärt, warum man gegen ein Virus, also eine biologische Realität nicht argumentieren kann. Dagegen ist eine Position, die schlicht sofort zurück will zur Normalität, no matter die Toten, ebenso wenig nicht haltbar. Es geht derweil vielen Leuten nicht gut damit, dass wir auf Kosten der Alten und Schwachen leben.

54:00 Eindeutig ein Skandal an Ungerechtigkeit hingegen ist die Maskensituation für arme Menschen. Warum regelt man das nicht über Preisbindung oder Hartz4-Erhöhung? Wir wissen es nicht.

Piratensender Powerplay, Episode 26: "Der längste Winter aller Zeiten"

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SHOWNOTES:
00:30: Hello! Es melden sich die kognitive Concorde und der Sherlockdown bei Euch.

01:50: Wir sprechen heute über die USA und über Deutschland, über das soziopathische Selbstbräuner-Testimonial, andere Mutanten und exponentielles Wachstum (können aber beide kein Mathe).

03:10: Wir starten mit ein paar Fragen und der leisen Hoffnung, dass es friedlich bleibt. Tatsächlich hoffnungsvoll ist die poetisch-pazifistische Crowd-Rache an den Täter*innen. gerade dann muss man aber aufpassen, nicht zu wild zu spekulieren, wer wie was im am ums Kapitol los war. Dafür wünschen wir uns ein 3-D-Modell des Tages.

10:10 Die Gegenseite ist uns sowieso haushoch überlegen, wenn sie ausgerechnet die Antifa als Agitatoren hinter der Attacke festmachen, hahaha. Damit wird der Signifikant "Antifa" endgültig leer, so wie "Teufel" oder so. 

14:10: Worauf können sich eigentlich noch alle einigen an Wahrheit? Joe Bidens Enkelin weiß es: Rassismus, White Privilege. Meinungsfreiheit bedeutet eben nicht das Recht auf Wahrheitsleugnung.

18:00: Wieso stimmen nur 10 von 207 Republikaner*innen für das Impeachment? Sunk Costs und Angst. Eine Umkehr erscheint sehr schwer, selbst jetzt.

23:10: Kann man mit der Partei noch einen Staat machen? Frau Samira weiß es auch nicht. Aber: wer sich einmal auf diese Fiktion eingelassen hat, sieht nicht mehr viel sonst. Was eher eine weitere Radikalisierung verursachen kann. Dann fällt Samira doch noch einiges ein: Stichwort toxische Win-Win-Situation. Und Jack Bauer!

31:50: Wozu genau sollten sie auch umkehren, was wartet auf sie? Leo Löwenthal kann helfen. Es geht um Agitatoren und die soziale Malaise und das Leben als Antagonist.

40:45: Jetzt geht sie tüchtig los, die Söderalismus-Kritik mit Wutbürgerin Samira, aber richtig: wie unfair und falsch und egoistisch kann man eine Maßnahem, die an sich sinnvoll ist, eigentlich anschieben? Söder weiß es.

49:30: Samira ist vielleicht doch ein Flugzeug, Friedemann wird es kalt, wenn er die sogenannten christlichen Parteien anschaut. Außerdem: der Beginn des Wahlkampfs zur Kanzlerkandidatur. Und so viel Politikversagen, heute: 10 Monate Zeit, die Masken zu organisieren.

52:15: Und damit sind wir beim Homeschooling und was den Kindern momentan angetan wird. Wir als Kinderlose können nur erahnen, wie katastrophal das alles gerade ist. Aber wütend macht uns, wie genau die Parteien, die immer den Wert "Familie" hochhalten, sie jetzt so im Stich lassen.

58:00: Das exponentielle Wachstum und unsere Hirne, die damit irgendwie wenig anfangen können. Aber ein bisschen versuchen wir es doch. Mit Gastauftritt von Samiras Vater, also fast, und einer Buchempfehlung.

74:00: Blaise Pascal und die Gottesfrage, Denkfehler, Feedback Loops und mehr lassen vergessen, dass Samira sich für ratlos hält.

79:30: Selbst mit all diesen unbewussten Fehlleistungen bleiben rhetorisch schäbige Aussagen, die eine verfehlte Politik schützen sollen. Wir versuchen dennoch einen hoffnungsvollen Schluss.

Piratensender Powerplay, Episode 25: "Karneval der Rassisten"

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SHOWNOTES:
00:30: Begrüßung von 2021 mit Klatsch. Wir sind wieder da!

01:50: Wie geht es uns am Donnerstagabend und wie doomscrollt Samira sich den Daumen wund?

04:50: Was ist da eigentlich passiert in Washington, wer und warum? Wie soll man das alles nennen – und wie auf keinen Fall? Wir suchen nach Worten und Wörtern.

25:00: Nur weil ein Putsch schlecht organisiert ist und lächerlich aussieht, kann es trotzdem ein Putsch sein. Denken wir doch nur mal an einen Gnom! Und an Zeitlupe! Und wieso gab es nicht mehr Gewalt? Weil keine Feinde da waren. So bleibt ein einziger großer Triumph für die Faschisten.

30:20: Es brauchte dafür nicht viel: ein lustiger Hut, etwas Wut und viel weißes Privileg. Andere Rechtsextreme werden sich identifizieren, und sie sehen: man lässt uns gewähren. Und wir wiederholen alle Fehler im Umgang damit. Vor allem auch die Plattformen.

34:10: Selbst die New York Times schreibt idolisierende Porträts über die Terroristen. Sie werden größer und größer gemacht, und wir müssen in Deutschland endlich daraus lernen. Vielleicht war das auch ein Weckruf, hofft Samira. Friedemann glaubt nicht dran.

40:00: Wir nominieren unsere Hasswörter: Rabauken, Anarchisten, Spaltung und Demonstranten. Was waren eure?

45:00: Was muss jetzt passieren, Frau El Ouassil? Impeachment, 25. Amendment, Exil auf dem Mond? Alles! Und eine andere Strategie der Gegenseite.

52:10: Die intuitive Reaktion mit Appeasement wird immer wieder unreflektiert angewandt. Aber was wäre ein Gegenmodell? Welche Projektion unserer liberalen Wünsche auf eine extreme Gegenseite passiert da? Friedemann ist nicht überzeugt.

58:00: Samira wünscht sich die fitte, wehrhafte Demokratie, für die Zukunft und als Schlusswort.

Piratensender Powerplay, Sonderepisode 7: "Was Du mit Frodo, Jesus & Rocky gemein hast - Teil 2"

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SHOWNOTES:
00:00: Herzlich Willkommen zu Teil 2 der Sonderepisode zum narrativen Bewusstsein!

00:30: Sind Verschwörungserzählungen auch Heldenreisen? Naja! Mächtige Narrative sind sie eher, weil sie keine sind.

07:30: Welche Heldenreisen erlebt Samira auf Instagram? In welche Authentizitätsfalle tappt sie immer wieder? Friedemann erzählt ähnliches.

19:00: Liegt auch daran, dass auf Instagram meistens keine Fotos, sondern eher Ideen von Fotos geteilt werden. Man will eine Geschichte erzählen, schafft aber vor allem eine Selbstvergegenwärtigung, die in ihrer Uniformiertheit wiederum austauschbar wird.

21:20: Können Antagonist*innen auch Held*innen sein? Wie ist es bei den Bösewichten in James Bond Filmen? Sieht Dr. No diesen nervigen Geheimagent nicht auch einfach als Antagonist? Das moralische Skill Set entscheidet: Der Held*in tötet nur, wenn er muss.

24:45: Würde sich ein Antagonist transformieren? Und damit sind wir bei der eigentlichen Funktion der Heldenreise: das Verhandeln von Veränderung, das Scheitern unter kontrollierten Bedingungen, erzähltes Fail Better.

30:55: Wieso schaffen wir es dann nicht, die großen Herausforderungen der Gesellschaft in bessere Heldenreisen zu verpacken? Die narrative Hegemonie fokussiert die "falschen" Geschichten. Deshalb tritt sie allermeistens auch in der männlichen Form auf. Dabei sind Männer sicher nicht naturgemäß "heldenhafter".

40:00: Was wären bessere Geschichten, vor allem auch über uns selbst? Und damit ciao 2020, hello 2021!

Piratensender Powerplay, Sonderepisode 7: "Was Du mit Frodo, Jesus & Rocky gemein hast - Teil 1“

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SHOWNOTES:
00:20: Vorhang auf: Sonderepisode! Über Geschichten! Und uns alle! Es geht um den Homo Narrans, den erzählenden Affen.

02:45: Samira erklärt nochmal die Stufen der Heldenreise von Jesus bis Rocky. Wichtig: die innere Transformation! Ohne die kein Held!

07:00: Friedemann ergänzt die besondere Beschaffenheit des Heldens und der kaputten Welt. Und: Was steht auf dem Spiel?

13:20: Warum lieben wir überhaupt diese Art der Erzählungen? Weil sie uns vor dem guten alten Säbelzahntiger gerettet haben. Denn: Tote Affen erzählen nicht.

16:10: These: deshalb erzählen wir von uns selbst, im Alltag, auch in der Struktur der Heldenreise. Was macht das mit uns?

17:20: "Kurzer" Schlenker aka Cliffhanger zu Kant, Wittgenstein, Durkheim und Freud. Was dachten die über Erzählungen? Zurück zum Dating.

22:30: Narrative Turbotechnologien sind wie ein digitales Spiegelkabinett – sie suggerieren uns noch mehr, wir müssten Held*innen unserer eigenen Geschichten sein. Aber was haben wir mit der Aufklärung verloren?

25:00: Was macht das alles mit uns, also Samira und Friedemann? Was ist unsere Heldenreise, unser Meta-Narrativ? Sind unsere Selbste auch Fiktionen und wenn ja, welche?

27:50: Jetzt aber: Fmann erzählt seine Geschichte als die eines Künstlers, Samira sich als Schreiberin. "Tochter" hat weniger narratives Potenzial? Und was ist mit den Alltagsbegegnungen?

37:40: Samira erzählt ihre Geschichte unfreiwilligerweise auch als weibliche Person mit Migrationshintergrund in einer weißen, eher patriarchalisch geprägten Gesellschaft. Dazu muss sie die Heldenreise ihrer Vorfahren erzählen. Das kann nerven.

42:50: Weltverbesserung als völlig logischer Teil der eigenen Heldenreise. Philanthrope Romantik als Selbsterzählung.

44:40: Ist die Menschheit auf ihrer eigenen Heldenreise? Wohl oder übel ja, weil Klimakrise. Was ist dann das Ziel? Utopia?

47:20: Jetzt wird es interaktiv: fast euch mal an den Kopf. Dann an die Beine. Auch das gibt es alles nur, weil wir Geschichten erzählen.

51:07: Diesmal ergänzt Samira, und zwar biochemisch. Welche Hormone werden freigesetzt, wenn man eine Geschichte spannend findet?

Piratensender Powerplay, Sonderepisode 6: "Jesus würde Weihnachten abschaffen"

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SHOWNOTES:
00:30: Begrüßung, Samira vergleicht Friedemann mit Jesus und vice versa, alle lachen.

01:20: Samira mag Weihnachten, obwohl es ein ganz großer Quatsch ist. Das ist unser Thema: Der ganze Christkram. Macht euch auf was gefasst.

02:00: Friedemann feiert Weihnachten (mit), obwohl es ein ganz großer Quatsch ist – klassische Großfamilienweihnachten unterm Baum. Bei Samira eher so selbstironische Kleinfamilienweihnachten neben der Palme.

05:50: Bei Samiras daheim wird aber ernsthaft Liebe sublimiert, dazu taugt das kulturell-universalistische Protokoll. Als Kind hätte sie gerne eher mehr Weihnachten gehabt, heute ist sie sogar beim Ugly Christmas Pullover angekommen.

08:10: Weihnachten ist für Fmann kaputt, ein kollektiver kalendarischer Ablasshandel, die einmal jährliche Ausnahmefolklore bei gleichzeitiger gesellschaftlicher Unchristlichkeit. Egal was gerade in der Welt los ist, zum Beispiel die Zerstörung der Schöpfung.

12:00: Frage: was ist eigentlich mit Jesus? Und mit seinen Werten? Heute ist es "Das Fest der Familie" (Söder), an dem Menschen eine dringend notwendige Pause vom Kapitalismus brauchen. Was hat das eigentlich noch mit Jesus Botschaft zu tun? Der hat etwas ganz anderes erzählt damals.

15:40: Friedemann zitiert tatsächlich die Bibel! Aber nur um zu zeigen: Jesus stellte explizit Werte und Prinzipien über Herkunft und Tradition. Seine Werte: Mitleid, Obrigkeitenkritik, Selbstlosigkeit, Fairness. Was davon ist heute noch übrig rund um Weihnachten?

18:20: Samira unterfüttert: Weihnachten ist eine "synkretistische" Erfindung des Christentums – ein willkürliches Patchwork aus Riten und Traditionen. Sol Invictus, Mitras-Sage, das gute alte dritte Jahrhundert – jetzt wird es endlich historisch im Piratensender.

22:10: Jesus wurde vermutlich eher im September oder Oktober geboren. Und mehr Fun Fabrics aus der kirchlichen Legendenschreibung. Die sich auch bei heidnischen Bräuchen bedient hat. Eigentlich ist Weihnachten etwas wie ein besinnlicher Karneval.

29:00: Jetzt zerlegt sie auch noch den heiligen Nikolaus! Immerhin: Auftritt Martin Luther, der den Kuddelmuddel wieder ein bisschen ordnen will mit der Erfindung des Christkindes (ja, wirklich). Aber wieso dann der Weihnachtsmann? Halleluja, Religion ist wie ein LSD-Trip.

32:15: Es geht munter weiter, Samira erklärt noch den niederländisch-amerikanischen Santa Claus, und damit sind wir langsam beim heutigen konsumistischen Weihnachten rund um Geschenke und magische Fabelwesen. Und da war ja noch was mit Coca-Cola.

38:55: Friedemann bedankt sich schon für den kulturellen Stammbaum all dieser Figuren, da kommt Samira noch mit dem Tannenbaum. Der floral-personifizierte Widerstand gegen die Kälte. Der wurde natürlich auch irgendwie erfunden, u.a. von einem damaligen Influencer namens Goethe.

44:40: Friedemann glaubt: Jesus würde Weihnachten abschaffen. Eigentlich ist er ja mal gekommen, um die Welt zu retten, muss dazu aber auf die klassische Heldenreise aufbrechen. Inklusive Weigerung, Versuchungen, Prüfungen, Verklärungen und am Ende das große Opfer. Genauso wie andere messianische Helden wie der heilige Krishna im Hinduismus zum Beispiel.

48:50: Eigentlich verlangt Jesus von uns die volle Gefolgschaft, uns selbst aufzugeben und in ihm aufzugehen. Diese große Funktion ist säkularisiert worden. Heute wird Jesus eher als Sozialrevoluzzer gelesen, als spiritueller Che Guevara des Orients, sein Tod eher als großes Beispiel von Integrität.

51:50: Erst diese Trivialisierung schafft Raum für hedonistische Aufladung dieses events, vorgeblich sublimiert als heiliges Fest. Liegt darin ein Versöhnungsangebot von uns Atheisten an die Pseudochristen? Schreibt euch einfach eure die Traditionen selbst! Wir beschließen: unser Ritual soll sein, eine Stunde zu meditieren am 24.12. – macht ihr mit?

Piratensender Powerplay, Episode 24: "Chronik der 600 angekündigten Tode"

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00:30: Der diskursive Glühweinstand öffnet wieder!

01:00: Das Menü ist schnell erklärt, es geht heute "nur" um Corona, Merkel, Klima. Also die generelle Lage, Merkels emotionale Worte, das Klima als noch viel größeres Problem, bei dem wir genau so versagen. Yeah!

01:30 Samira fasst Merkels Rede, Appell, Flehen zusammen. So emotional hat man die Kanzlerin kaum jemals gesehen, das kann man feststellen. Ein rhetorischer Ausschlag. Aber war das nun ein guter Auftritt? Wir sind unentschieden.

04:50 Friedemann mag nochmal die Wörter genauer anschauen, die sie benutzt hat. Die historische Dimension, die sie aufmacht; die Wissenschaft, die sie bemüht; die Symbole des Verzichts "Waffelbäckereien und Glühweinstände", für deren Ausfall sie sich entschuldigt. Was bedeutet das alles?

08:30 Ghostwriterin Samira hätte ihr genau dazu geraten, also Wortwahl, Emphase, Sprechhaltung. Und dass sie sich eine Subjektivität getraut hat. Und analysiert kurz, wie Merkel sonst gerne redet. Und wovon eher nicht.

09:10 Friedemann fand den Auftritt auch bemerkenswert, aber auf vielen Ebenen auch problematisch, fast unwürdig. Sich selbst erhebend, gleichzeitig aber pathetisch, ohne die eigene Verantwortung adäquat zu etablieren. Man könnte dabei fast vergessen, dass sie die Bundeskanzlerin ist, Chefin einer Regierung, die sehenden Auges in diese Katastrophe gesteuert ist.

12:40 Der Spin, dass die Bevölkerung eben nicht (mehr) mitgemacht hätte, ist falsch. Dass die Ministerpräsident*innen alles ausgebremst hätten? Schon eher. Aber hat Merkel alles getan, früh genug, was sie konnte? Wir sind unsicher. Sicherlich erlebt sie die Geister, die sie rief mit ihrer konsequent wirtschaftsorientierten Politik, auch bei Corona und lange vorher.

17:15 Diese Rede als Rückschau auf die eigene Performanz lässt wissentlich Lücken. Das System, was uns soweit in den Schlamassel führte, wird (natürlich) nicht kritisiert. Das "wegmerkeln" von Problemen funktioniert bei Corona katastrophal nicht, man kann das Virus nicht aussitzen.

21:05 Die Wissenschaft zu bemühen, auf die man doch unbedingt hören solle – das stößt bitte auf wegen weil Klimakrise. Corona ist das alles in klein, diese Art von Politik versagt angesichts der unbeugsamen Mathematik des Problems. Aber: Kann man versagen, ohne etwas falsch gemacht zu haben? Was hätte sie besser machen können?

28:10 Oder ist die Bevölkerung schuld? Das glaubt nicht mal Horst Seehofer. Dieses Narrativ als Ausdruck der Angst, zu viel an Maßnahmen durchzusetzen, ist irgendwas zwischen Schutzbehauptung und Angst vor einem neuerlichen Rechtsruck. Und ist letztlich ein halbes Eingeständnis der eigenen Überflüssigkeit.

31:05 Und auf der Grundlage kann man Klimaschutz absagen, denn der muss auch immer wieder gegen einen gewissen Unmut mancher durchgesetzt werden. Wo ist hier eigentlich die Dringlichkeit, die Emphase, das Flehen der Wissenschaft zu glauben? Und was heißen eigentlich "Vernunft" und "Verhältnismäßigkeit" in diesem Kontext?

37:00 Und weiter: was ist eine "konservative" Position angesichts dieser Bedrohungen wert, wenn sie Verantwortung in die Zukunft verschiebt? Was bewahrt sie – außer Privilegien, Wirtschaft und Macht? Wohin will sie, außer zurück zu einem alten Normal?

42:10 Und wir "christlich" ist sie, wenn sie zugunsten der Wirtschaft ihre Armen und Schwachen vergisst? Man argumentiert fast schon antiautoritär und links, die Menschen bloß zu nichts zwingen zu wollen, inkl. magisch-opportunistischem Hoffen, dass es schon nicht so schlimm wird. Die dringend anstehenden Transformationen schafft dieser Politikstil nicht, niemals. Und waren wir hinsichtlich Corona eigentlich "deutsch" im Sinne von erfinderisch, innovativ, clever, effizient? Haha.

45:10 Samira versucht trotzdem noch einmal, eine bessere Rede für Merkel zu entwerfen. Und hat eine Idee für Januar: vielleicht einfach kondulieren. Sich bei den Angehörigen der Toten entschuldigen. Was bleibt sonst von Merkels Kanzlerschaft?Und damit verabschieden wir

Piratensender Powerplay, Episode 23: "Mit Taxigutscheinen nach Paris & zu Page“

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SHOWNOTES

Wieder eine Whatsappfolge!

00:17 Eine Whatsappfolge, der erfahrungsreiche Poet ist in Schreibklausur, bei Samira heisst es the Talkshow must go on. Heute Zugdialoge über den sog. Lockdown, die Polizeikrise in Frankreich und Elliot Page.
02:52 Lamento und Ratlosigkeit bei Samira, wie erfolglos kann man in neun Monaten keine Lösungen gefunden haben können, wenn der Jugend forscht Preis an den Innovationsstandort Deutschland an die Vorschläge
„Taxigutscheine“ und „Fenster öffnen“ geht?
Und lest den Artikel von Vanessa Vu!
06:39 Friedemann stellt fest, dass die Trägheit des breiten Hinterns des Landes auf einer Kombination aus einer Mentalität, die nicht risikofreudig ist und gleichzeitig nicht besonders solidarisch. Wir sind nicht im fight oder flight Modus, sondern im freeze Modus.
13:49 Samira schaut nach Frankreich, dort ist gerade eine politische Krise aufgrund des Sicherheitsgesetzes, das das Filmen und Verbreiten von gefilmter Polizeibrutalität bestrafen sollte. Hunderttausende gingen auf die Straße um zu protestieren, dann kam noch der Fall von Michel Zecler hinzu, ein Schwarzer Musikproduzent, der brutal von der Polizei zusammengeschlagen worden ist. Die Polizei behauptet danach, dass er versucht habe ihre Waffe zu nehmen, aber Aufnahmen des brutalen Übergriffs auf Zecler belegen das genaue Gegenteil.
23:36 Die Exekutive muss Angst vor der Öffentlichkeit haben, wenn sie Gewalt ausübt. Es braucht die Bilder, um die Verletzung des Rechts greifbar sichtbar, belegbar und dringlich zu machen und die Öffentlichkeit und das Konnekitv als fünfte Gewalt zu mobilisieren, siehe auch den Fall George Floyd.
Smartphones sind auf diese Art Waffen der Notwehr.
27:47 Elliot Pages coming out zeigt, wie unbeholfen die Berichterstattung um trans Personen noch ist und verdeutlicht gleichzeitig, wie existenziell wichtig die Pronomen sind und das Zugestehen der Selbstbezeichnung.
33:10 Friedemann erzählt von seinem Gespräch mit Linus Giese, die Anerkennung und Sichtbarmachung eines anderen Menschen erfolgt eben auch durch die Sprache und ebenso wichtig ist nicht das ständige in Frage Stellen einer anderen Person.
Ein Vorwurf der Mehrheitsgesellschaft basiert oft darauf, dass Menschen, die um eine korrekte Bezeichnung bitten lediglich die Aufmerksamkteisökonomie für ihren Narzissmus missbrauchen würden, was ein total seltsames Menschenbild offenbart und Quatsch ist.

Schönen Sonntag und bis nächste Woche, dann wieder im dialogischen Doppel

Piratensender Powerplay, Episode 22: "Die Autobiographie der Einsamkeit"

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SHOWNOTES:

00:30: Friedemann begrüßt, Samira vergleicht, es werde Licht.

01:35: Wir checken ausnahmsweise mal etwas emotionaler ein: wie geht es uns momentan wegen Ihrwisstschon? Wie ist der softe Lockdown zu ertragen in München und Berlin? Wo gehen wir spazieren? Es geht auch um Wein.

08:00: Samira hat sich gewundert über Markus Söder ihm seine Einteilung von Weihnachten und Silvester als Fest der Familie und Fest der Freunde. Was machen denn dann sie, die grade keins von beidem verfügbar haben?

15:40: Die Einsamkeit als "zweite Pandemie" findet Fmann keinen guten Vergleich, weil sie eher wie Hunger ist, sagt eine Studie. Und überhaupt geht es ja eher um Verlassenheit, weil Einsamkeit ambivalent konnotiert ist. Anyweh, er gesellt sich mal wieder mit Marx und Weber in eine historische Perspektive.

22:15: Samira sieht uns im sozialen Fasten. Und erklärt die Studie zu Einsamkeit, die Fmann kurz erwähnte, nochmal richtig: Gesellschaft ist ein biologisches Bedürfnis. Außerdem: verschiedene Kategorien von Bindungen. Und das Silbernetz! Wichtig!

32:20: Schnell noch Eva Illouz droppen von wegen Ökonomisierung des Sozialen. Jetzt ist aber gut. Fmann fordert eine kritische Reflexion des eigenen konsumistischen Reflexe. Mehr aber noch der Ungerechtigkeit, die eigentlich hinter der Einsamkeit steht. Und wie ist man sich eigentlich selbst die beste Gesellschaft?

37:00: Samira hat Obamas Autobiographie mit dem Titel "Ein verheißenes Land" gelesen – Fmann grätscht rein, weil er die Übersetzung so falsch findet. Und wieso überhaupt diese biblische Anleihe?

40:15: Dann aber weiter im Text: Samira sind ein paar Fotoshopisierungen aufgefallen, die Obama an der eigenen Story vornimmt. Welche? Hört selbst! Es geht natürlich auch wieder um den orangenen Horrorclown. Aber ist Obama so viel besser, wenn er seine alternative Realität aufschreibt?

51:20 Fmann würde seine Biographie komplett erfinden oder Samira bitten, sie zu schreiben. Ansonsten findet er Autobiographien nur spannend, wenn aktuelles und frühere Ich in einen Konflikt geraten. Und er erinnert an Obamas erste Autobiographie 1995 (hat sie aber nicht gelesen).

54:00: Welche Narrative versucht Obama hier eigentlich zu umgehen? Und welche Sonderfolgen sind von uns noch zu erwarten? Spoiler: was zum narrativen Bewusstsein.

Hey. Wenn du das hörst oder liest, und dich nicht gut fühlst, sehr einsam oder hoffnungslos, ganz egal, hier könnt Ihr anrufen und davon erzählen:

Infotelefon Depression: 08003344533

Telefonseelsorge: 08001110111 oder 08001110222

Mail-Beratung für Menschen unter 25 Jahren: www.jugendnotmail.de

Silbernetz: 08004708090

Piratensender Powerplay, Episode 21: "Verschwörungskorridore und Meinungsdenker"

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SHOWNOTES:
00:30: Samira begrüßt und Friedemann lacht. Alles soweit normal.

01:50: Die Speisekarte heute per Lieferdienst: zehntausende realitätsskeptische Hampelmänner und -frauen vor dem Bundestag, miese Sozialempirie für angebliche Meinungskorridore – und zu Beginn natürlich kurz Trump. 

03:40: USA, USA, USA! Naja, heute stellen wir nur schnell fest: im Westen nichts neues (leider oder zum Glück). Trump soll ins Golfloch, Biden ins Weißhaus, wir werden sehen. Aber werden die Republikaner endgültig zur gefügigen Bewegungspartei? Soll der Begriff "Trumpismus" weg? Wir wiederholen uns ein wenig und sagen: "Jein". Ganz sicher aber: lest Nils Markwardt.

05:40: Trump ist nur Symptom, nur virtuoser Interpret dessen, was man so "Trumpismus" nennt. Friedemann jedenfalls will nicht dagegen demonstrieren.

08:00: ÜBERLEITUNG, ÜBERLEITUNG... naja. Jedenfalls: "Querdenker"-"Demonstration" in Berlin, wir wundern uns. Über deren Wirklichkeitsfabrikation zum Beispiel. Samira hat den Begriff "reality-based community" mitgebracht, den ein Bush-Berater erfunden hat. Die jedenfalls ist Trump und den Querdenkern immer erstmal unterlegen.

11:50: Anekdotisches: Friedemann war im Bio-Markt und musste einen Korb zum Einkaufen nehmen. Jemand fand das "wie in der DDR". Das macht ihn glauben, man muss von der Sachebene auf die performative Ebene. Also: Was wollen diese Totalitarismus-Vergleiche genau darstellen?

14:30: Ironischerweise ist das Infektionsschutzgesetz weniger Diktatur als der Zustand die Monate vorher, aber egal, genau darum geht´s ja gar nicht. Sondern um den "masochistischen Triumph" einer laut leidenden Minderheit, die sich nur im maximalen Märtyrertum spürt.

20:00: Kann man diese Menschen ernst nehmen? Oder es ihnen andererseits überhaupt übelnehmen? Und andererseits wissen wir ja auch nicht, ob wir immer richtig liegen. Wir haben uns nur auf einen gewissen Konsens geeinigt inkl. Demokratie und Wissenschaft.

26:00: Samira empfiehlt Michael Seemann, den man auch unbedingt überall lesen sollte (Grüße!). Er hat eine Überorientierung bei den Verschwörungsmenschen festgestellt, die nicht mehr anerkennen können, dass auch etwas anderes wahr sein könnte. Auftritt Durkheim, der sich mit dem Suizid als Ergebnis einer Über- oder Unterintegration auseinandergesetzt hat. Sind "Querdenker" vergleichbar über oder unter?

32:10: Antwort: beides gleichzeitig. Friedemann ruft all möglichen Denker auf, um eigentlich nur eins zu sagen: diese Menschen brauchen dringend eine neue Erzählung, weil die alten für sie nicht funktionieren. Sie haben eine Ich-Schwäche, und die kann man (vgl. aktuelle Autoritarismus-Studie) autoritär und/oder durch die völlige Entgrenzung des Ichs vermeintlich lösen. Also: narrativer Exodus, Wagenburg, ciao Gesellschaft.

38:00: Samira hat Bedenken hinsichtlich eines Marktplatzes der Erzählungen. Friedemann leitet über zu einer anderen Quatscherzählung: Cancel Culture. Die ja nur eine andere Form von Kritik ist. Und auf Wissenschaft übergreift. ÜBERLEITUNG 3000 zu...

41:05: ...Samiras neuer Lieblingsstudie aus dem Hause Allensbach. Diese untersucht, ob linke Student*innen intolerant gegenüber anderen Meinungen seien, oder so ähnlich. Spoiler: das ist gescheitert (Samira erklärt, wie genau).

50:10: Spannend aber eher, was daraus gemacht wurde, also irgendwas mit sich verengenden "Meinungskorridoren" und sowas in der FAZ. Weil Menschen halt nicht jeden Quatsch hören wollen, Überraschung, schon gar nicht an einer Universität. Was ist das für ein Meinungsuniversalismus?

Über diesen Podcast

Piratensender Powerplay – das Gespräch am Ende der Woche. Mit Samira El Ouassil und Friedemann Karig.

von und mit Samira El Ouassil, Friedemann Karig

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